Geburt und Elternhaus
Nürnberg in ihrer Blütezeit. Wir schreiben das Jahr 1475. Eine kleines Mädchen erblickt das Licht der Welt. Die Mutter Anna Rummelin hat nach etlichen Fehlgeburten endlich ihr erstes Kind geboren. Auch der Vater des Kindes, Hans Frey, ist glücklich. Das aufregende Leben der kleinen Agnes, so heißt das Kind, werden wir nun begleiten.
Heirat und Ehemann
Eines Tages ruft sie der Vater zu einem ernsten Gespräch. Hat sie etwas ausgefressen? Wie zur damaligen Zeit üblich, wurde ihre Zukunft von den Eltern verplant. Sie soll heiraten.
Zwei Väter erhofften sich aus einer Ehe auch einen geschäftlichen Vorteil. Der Goldschmied wünschte sich für seinen 23-jährigen ältesten Sohn Albrecht eine junge kräftige Frau. Der Rotschmied sah in seinem zukünftigen Schwiegersohn einen tüchtigen und talentierten Burschen. Er wollte seiner ältesten Tochter ein gesichertes Leben bescheren.
Agnes muss dann das ruhige und gut bürgerliche Elternhaus und auch ihre kleine Schwester Katharina verlassen. Kann sie sich an Ihr neues Zuhause gewöhnen? Dort herrscht mit Albrechts 10 Geschwistern und einer großen Gesinde Anzahl täglich Trubel.
Und dann ist da zukünftig ein fast fremder Mann und nur ein Malergeselle an ihrer Seite. Sie kennt ihn kaum. Albrecht hat sie das letzte Mal vor vier Jahren gesehen. Seitdem ist er auf Gesellenreise. Sie fühlt sich mit ihren 19 Jahren noch zu jung zum Heiraten. Aber es führt kein Weg vorbei. Ihr Leben ist nun vorbestimmt und für sie ungewiss.
Albrecht macht Karriere
Ewige Wochen später noch keine Spur von ihrem zukünftigen Ehemann. Sie wird so langsam nervös. Eines Tages steht ein staatlicher Mann in frisch geputzten aber etwas abgewetzten Wanderstiefeln vor ihr. Weltgewand und lebenserfahren ist er bereits in seinen jungen Jahren. Sie ist verunsichert und fragt sich, wie sie neben ihm bestehen könne?
Als verheiratete Frau muss sie sich daran gewöhnen, dass ihr Mann selten zu Hause ist. Wo ist er den ganzen Tag? Er hat doch gar keine Aufträge. Sein Argument, er hat noch viel zu lernen, kann Agnes, die Dürerin, kaum glauben. Er ist doch schon Geselle und soll seine eigene Werkstatt aufbauen. Dafür ist ja auch ihre Mitgift in Höhe von 200 Gulden gedacht. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihm zu vertrauen.
Albrecht hat einen lukrativen Auftrag an Land gezogen. Dazu benötigt er jedoch Kenntnisse der Welschen Maler in Venedig. Um diese zu erlangen, ist eine Reise nach Italien notwendig.
Agnes soll mitkommen. In Nürnberg ist die Pest angekommen und hat bereits etliche Bürger dahingerafft. Die ersten Patrizierfamilien packen bereits und ziehen aufs Land.
Eine gute Gelegenheit, es den reichen Familien nachzumachen. Auf ins Abenteuer nach Venedig.
Nicht nur Albrecht vertiefte in Venedig seine Handwerkskunst. Auch Agnes hat eine Aufgabe gefunden und konnte so die vielen Stunden ohne Albrecht sinnvoll verbringen. Im Lagerhaus der Deutschen, dem Fondaco dei Tedeschi Tedeiski, konnte sie ihre Kenntnisse im Rechnen einbringen und sich nützlich machen. Sie lernte dabei eine ganz neue Art der Buchführung mit der venezianische Kaufleute ihre Geschäfte auf der ganzen Welt kontrollierten.
1495 kehrten beide nach Nürnberg zurück.
Die Jahre vergehen und es hat sich einfach keine Schwangerschaft bei Agnes eingestellt. Sie muss sich damit abfinden, dem Mutterglück zu entsagen.
Albrecht reist 1505 ein weiteres Mal nach Italien. Diesmal allein. Sie leitet in seiner zweijährigen Abwesenheit die Werkstatt. Einmal jährlich verkauft sie seine Werke auf der Frankfurter Messe. Am 18. Mai 1512 wird auf dem Rückweg der Kaufmannszug überfallen und die gesamten Einnahmen geraubt. Glücklicherweise hat die Familie Dürer weitere Standbeine und deshalb keine nennenswerten finanziellen Einbußen. Die Dürerin kam mit einem Schrecken davon.
Krankheit und Tod Albrecht
Zum 27. Hochzeitstag zeichnet Albrecht seine Frau. Es wird das Jahr 1521 geschrieben und das Paar ist soeben aus den Niederlanden zurückgekehrt. Albrecht ist dort ernsthaft erkrankt und erholt sich nie mehr so richtig von den Fieberanfällen. Im gleichen Jahr stirbt die Mutter der Dürerin und zwei Jahre später ihr Vater.
Den Kampf um seine Gesundheit verliert Albrecht am 6. April 1528. Der Tod ihres Mannes hat eine tiefe Leere in Agnes hinterlassen. Eigentlich müsste sie sich keine finanziellen Sorgen machen, wären da nicht etliche „Freunde“ Albrechts, die ihr nun ihr Erbe streitig machen wollten. Die damalige Reise in die Niederlande und der Besuch bei Kaiser Karl. V. soll sich gelohnt haben. Er verleiht Agnes die alleinigen Rechte zum Nachdruck der Kunst und Bücher ihres verstorbenen Mannes.
Weitere 11 Jahre vergehen. Agnes hat sich immer mehr aus dem geschäftlichen Leben zurückgezogen. Der Einsamkeit und der lärmenden Baustelle in ihrem großen Haus am Tiergärtnertor entfloh sie. Sie zog in das Haus einer Familie, die sie pflegte und besuchte immer häufiger eine Kirche. Die Aufregungen um die Reformation sind längst verblasst und sie fand Friede im Gotteshaus.
Widmung eines Humanisten
Der Humanist und Rechtsgelehrte Christoph Scheurl vermerkt über Agnes Tod im Jahr 1539:
Desselben (Dürers) verlassene Wittib Agnes,
des frommen Hansen Freyen Tochter,
starb sonntags, den 28. Dezember,
vier Stunden gegen Tag des ausgehenden 1539sten Jahres
bei fremden Hauswirten selig begraben.
Quelle:
Inspiriert aus dem Buch (Buchempfehlung):
Mein Agnes von Ulrike Halbe-Bauer