Wenn man an die Reformation denkt, denkt man an Martin Luther – aber kaum an Katharina Zell. Zeit, das zu ändern.
Als Pfarrfrau in Straßburg war sie nicht nur Ehefrau eines Reformators, sondern selbst Autorin, Seelsorgerin und Stimme der Frauen im Glauben.
Ein Skandal bahnt sich an
Geboren wurde sie 1497 in Straßburg als Tochter des Schreinermeister Schütz. Schon früh erhielt sie eine gute Bildung – Lesen, Schreiben, und das Bibelstudium.
Die Reformation stand 1521 noch am Anfang. Doch erste katholische Priester unterstützten mutig den Umbruch. Matthäus Zell gehörte dazu. Er ließ mitten im Kirchenschiff des Strassburger Münster eine eigene Kanzel bauen und zog tausende Gläubige an, die seinen Predigten lauschten.
Die 27-jährige Katharina Schütz lauschte mit Hingabe den Predigten des 44-jährigen Matthäus Zell. Als sie ihn 1523 heiratete, war der Aufschrei groß – ein Priester und eine Frau? Eine Pfarrfrau war damals ein Skandal.
Katharina verteidigte ihre Verbindung und prangerte in drei Flugschriften die angeblich zölibatäre Lebensweise der katholischen Priester an. Die Begründung entnahm sie Luthers Bibel.
Sie zeigte, was in ihr steckt. Sie schrieb über Trost im Leid, verfasste Gebete und Theologisches, organisierte Hilfen für Flüchtlinge, besuchte Kranke und sprach mit den Armen. Ihr Haus stand offen für alle.
Ihr Kampf mit der Kirche
Als ihr Mann 1548 starb, hielten sie und Martin Bucer die Grabrede. Das sorgte für Unmut. Als sie gefragt wurde, ob sie als Frau überhaupt eine Rede halten dürfe, antwortete sie: „Ich bin nur eine alte und langjährige Kirchenmutter. Ich möchte keine Predigerin sein, ich mache es nur wie Maria Magdalena.
Sie wohnte weiter im Pfarrhaus in der Bruderhofgasse in Straßburg und führte die Arbeit fort. Bis zu ihrem eigenen Tod 1562 blieb sie eine der wenigen Frauen, die öffentlich und theologisch wirkten – in einer Welt, die Frauen oft das Wort entzog.
Eine Zeitzeugin erinner sich an Katharina
Wer könnte besser über sie berichten als eine Zeitzeugin? Hören wir, was Argula von Grumbach, eine der ersten protestantischen Publizistinnen Deutschlands, über Katharina zu berichten hat.
Zitat ARGULA:
Mein Name ist Argula von Grumbach. Ich war eine Adelige aus Bayern – und die erste Frau im Reich, die sich öffentlich mit Flugschriften zur Reformation bekannte. Man sagte, eine Frau soll in der Gemeinde schweigen. Doch der Glaube braucht auch die Stimme der Frauen.
Ich schrieb, weil ich genau so überzeugt war wie Katharina.
Ich erinnere mich, wie ihre Briefe zirkulierten. Ihre Schrift war fest, klar, ohne Angst. Als sie ihre Ehe mit dem Priester verteidigte, hätte sie schweigen sollen, sagten sie. Aber sie schrieb:
„Ich bin nicht gekommen, um zu schweigen, sondern um zu bezeugen.“
Sie war keine Edle, kein Klosterkind. Sie war einfach nur – mutig. Als Pest und Krieg Straßburg heimsuchten, öffnete sie ihre Tür für die Bedürftigen. Es sollen Vierhundert an der Zahl gewesen sein!
Und ihre Trostschriften? Ich sah Weiber am Brunnen, die sie heimlich lasen. Ihre Worte gaben Hoffnung.
„Gott hat keinen Unterschied gemacht zwischen Mann und Frau, nur der Mensch tut es.“
Sie lebte das, worüber viele Männer nur schrieben. Katharina war meine Schwester im Glauben. Eine, die sprach, wo andere schwiegen. Die heilte, wo andere verurteilten. Ich habe ihren Mut bewundert.“
Mehr als die Frau eines Reformers
Katharina Schütz Zell war mehr als die Pfarrfrau eines Reformers.
Sie war eine Stimme für die, die keine hatten. Noch heute gilt sie als eine der originellsten und bedeutendsten Frauen ihrer Zeit.
Und sie zeigt uns bis heute: Die Reformation war nicht nur Männersache.