Die Menschen in der Renaissance waren bekannt für ihre Neugier, ihren Kunstsinn, Forschungslust und Wissensdurst über die Natur und fremde Kulturen. In privaten Sammlungen stellten Adel, Gelehrte und reiche Familien ihre Kuriositäten in einen eigens dafür geschaffenen Raum aus. Der Wunderkammer.
Vitrinen, Schränke, Decken und Wände wurden gefüllt mit kleinen und großen Wundern dieser Welt. Diese Wunderkammern sollen die Vorläufer von Museen sein, die ihre Sammlungen erst hunderte Jahre später der Öffentlichkeit zugänglich machten.
Staunen, entdecken, verstehen
Zu Zeiten der Renaissance gehörten diese Kammern zum Statussymbol - als Zeichen von Bildung und Reichtum. Sie dienten oft als sozialer Treffpunkt der Elite. Der Gast begab sich auf eine Reise des Staunens und musste aktiv auf Entdeckung gehen, um den ausgestellten Objekten ihre Geheimnisse zu entlocken. Die Devise lautete: Staunen, entdecken und verstehen.
Berühmte Kunstsammler
Berühmte Besitzer von Wunderkammern waren u.a. Vertreter der Medici-Familie in Florenz: Francesco I. De Medici mit seinem „Studiolo“ oder Ferdinand II. De Medici mit der wohl berühmtesten Wunderkammer seiner Zeit. Die Familie D’Este in Modena waren bedeutende Mäzene in der Renaissance.
Eine der legendärsten und größten Kunstsammlungen besass der Kaiser des heiligen römischen Reiches - Rudolf II.
In Prag förderte er Künstler und Wissenschaftler - u.a. Johannes Kepler. Eine weitere große Leidenschaft war die Alchemie.
So stapelten sich in solchen Wunderkammern neben Kunstgegenständen auch wissenschaftliche Instrumente, Exotische und mythologische Objekte sowie natürliche und künstlich gestaltete Kuriositäten.
Wer ist Jenny Haniver?
Eine berühmte Kuriosität ist die so genannte Jenny Haniver. Das ist keine ausgestopfte Dame sondern ein als Seeungeheuer präparierter Rochen, der oftmals zentral von der Decke oder an der Wand hing und die Augen sofort auf dieses abstruse Objekt lenkte.
Noch heute kann man in Innsbruck eine öffentliche Wunderkammer bestaunen. Das Schloss Ambras sagt von sich, das erste Museum der Welt zu sein. Hier kann man sich auf eine Zeitreise 450 Jahre in die Vergangenheit begeben.
Das Schloss Ambras ist jedoch nicht nur für seine Wunderkammer bekannt sondern birgt auch eine ganz besondere Liebesgeschichte hinter seinen Mauern.