Ein heller gelblich-brauner Farbton, der bis heute in Mode, Design und der Pferdezucht verwendet wird. Doch nur wenige wissen, dass sich hinter diesem Namen möglicherweise eine Frau der Renaissance verbirgt.
Namensgeberin soll **Isabella Clara Eugenia**, die Tochter eines der mächtigsten Monarchen Europas – **König Philipp II. von Spanien** – gewesen sein.
War es tatsächlich ein Gelübde während der Belagerung von Ostende, das dieser Farbe ihren Namen gab? Oder handelt es sich nur um eine Legende?
Bevor wir dieser berühmten Geschichte auf den Grund gehen, lernen wir zunächst die außergewöhnliche Frau kennen, deren Name bis heute mit der Farbe Isabell verbunden wird.
Die Geburt einer Habsburgerin
Wir schreiben den **12. August 1566**. Im Palast von Valsaín bei Segovia freuen sich Philipp II. von Spanien und seine dritte Gemahlin Elisabeth von Valois über die Geburt ihres ersten Kindes.
Die kleine Isabella erhielt eine sorgfältige Erziehung und eine umfassende Bildung. Sie wurde in Etikette, Mathematik sowie mehreren Sprachen – darunter Niederländisch, Französisch, Italienisch und Spanisch – unterrichtet. Die berühmte Hofmalerin **Sofonisba Anguissola** förderte zudem ihre künstlerische Begabung.
Wie in Fürstenhäusern üblich, war sie als Infantin Gegenstand diplomatischer Strategien. Ehepläne wurden zur Stärkung der Macht und Ausweitung des Einflussbereiches geschmiedet.
Zwischen Politik und Heiratsplänen
Als dreijährige wurde sie verlobt. Mit Rudolf II., dem späteren Kaiser des heiligen römischen Reiches.
Im Laufe der Jahre zeigten sich bei ihm jedoch zunehmend psychische und körperliche Schwächen. Nach 20 Jahren löste der exentrische Rudolf die Verlobung mit den Worten: „Ich hege nicht die Absicht, überhaupt jemanden zu heiraten.“
Das Verhältnis zu ihrem Vater galt als innig. Schon in ihrer Jugend half sie ihrem Vater bei der Sortierung seiner Papiere und Übersetzung italienischer Dokumente in Spanische. Er bezeichnete sie als Trost seines Alters und Licht seiner Augen.
Für seine mittlerweile 32-jährige Tochter hatte er einen neuen Heiratskandidaten: Erzherzog Albrecht VII. von Österreich.
Ihr zukünftiger Gemahl wurde am spanischen Hof erzogen und war ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt. Als Vizekönig von Portugal und den Niederlande leistete er wertvolle Dienste.
Philipp II. gab ihm seine geschätzte Tochter zur Braut unter einer Bedingung: Beide sollen die spanischen Niederlande zusammen regieren. Und im Falle eines frühen Todes eines Ehepartners ohne Erben, fällt die Statthalterschaft an die Habsburger zurück. Philipp II. starb 1598. Nach einer angemessenen Trauerzeit wurde Isabella 1599 mit ihrem Cousin, Albrecht, auch Albert genannt, vermählt.
Regentin in schwierigen Zeiten
Die Statthalterschaft der Niederlande sollte keine leichte Aufgabe werden. Die Bestrebungen nach Unabhängigkeit und der Aufstieg des Protestantismus in den nördlichen Provinzen brachten die Stabilität des Landes ins wanken. Letztendlich führte dies zur Trennung der nördlichen und südlichen Niederlande. Dennoch galt die Regierungszeit als Goldenes Zeitalter der spanischen Niederlande. Ein ausgehandelter 12-jähriger Waffenstillstand gab dem Land Luft für einen wirtschaftlichen und künstlerischem Aufschwung.
1621 endete der Waffenstillstand und im gleichen Jahr starb ihr Ehemann Albrecht. Alle drei Kinder der Eheleute waren bereits im Kindesalter verstorben. So ging - wie vereinbart - die Statthalterschaft an die spanische Krone zurück an ihren Neffen Philipp IV.
Er erlaubte, dass sie die Regentschaft in den Niederlanden für ihn weiterführen konnte. Unermüdlich und teilweise ohne Wissen der spanischen Krone setzte sie sich weiterhin für Frieden und das Wohl der Provinzen während der politischen Unruhen ein. Sie scheiterte daran, dass das Spanien unter Philipp IV. wenig Interesse an Diplomatie zeigte. Auch ihre letzten im Jahr 1632 eröffneten Friedensverhandlungen zwischen den Nördlichen und südlichen Provinzen zerschlugen sich.
Isabella Clara Eugenia starb am 1. Dezember 1633 mit 67 Jahren und wurde neben Albrecht in der Kirche St. Guduala in Brüssel beigesetzt.
Die Legende zur Farbe "Isabell"
Sie bleibt uns jedoch nicht nur als eine kultivierte Frau und fähige Herrscherin in Erinnerung. Auch in der heutigen Mode- und Designwelt lebt die Farbe Isabell weiter. Ein blasses gelbbraun - ähnlich Milchkaffee.
Nicht historische belegt und eher der Rubrik „Legende“ zuzuschreiben ist folgende Geschichte:
Während der Belagerung von Ostende soll Isabella geschworen haben, ihr Hemd nicht zu wechseln, bis die Stadt erobert worden sei. Die Belagerung dauerte von 1601 bis 1604. In diesen drei Jahren hatte das weiße Hemd der Infantin eine schmutzige, gelblich-braune Farbe angenommen. Die Farbe erhielt den Namen Isabell.