Maria von Burgund, eine „Dame par excellence“. Eine junge Frau, die in einer schwierigen Zeit mit Mut, Demut und Anmut nicht nur die Liebe der Bevölkerung gewonnen hatte.
Zugleich war sie eine vorbildliche Repräsentin höfischer Kultur. Sie vereinigte in sich das beste Erbe burgundischer Tradition. Kunstsinn, Ritterlichkeit, Eleganz, Frömmigkeit und Bescheidenheit.
Nicht umsonst ging sie als die Stammmutter eines weltumspannenden Imperiums in die Geschichte ein.
Begleiten wir nun ihr glückliches und leider viel zu kurzes Leben.
Kindheit einer außergewöhnlichen Erbin
Wir schreiben den 13. Februar 1457. Die wunderschöne Isabella von Bourbon, Gräfin von Charolais, bringt ihr erstes und einziges Kind zur Welt.
Sie selbst stammt als viertes von elf Kindern aus einem angesehenen Geschlecht Frankreichs ab. Ihr Vater, der Herzog von Bourbon war ein direkter Nachkomme König Ludwigs des Heiligen. Ihre Mutter Agnes ist die Schwester ihres Schwieger-vaters. Somit ist Isabella zugleich die Cousine ihres Ehemannes Karl des Kühnen, den sie 1454 siebzehnjährig heiratete. Die Ehe ist überaus glücklich bis zu ihrem frühen Tod. Maria wurde mit gerade mal acht Jahren eine Halbwaise. 1465.
Marias Vater heiratete drei Jahre später erneut. Margarete von York, eine Schwester des Königs von England.
Europas begehrteste Braut
Mit dem Tod des Vaters 1477 auf dem Schlachtfeld wurde die kleine Prinzessin Maria, nun Herzogin von Burgund, zur begehrtesten Heiratskandidatin des damaligen Europas.
Vor seinem Tod hatte Karl der Kühne schon frühzeitig für seine Tochter einen Ehemann auserkoren. Selbst aus einer glücklichen Ehe stammend, hatte er neben politischem Kalkül auch das Wohl seiner Tochter im Blick. Seine erste Wahl war Maximilian von Österreich, der Sohn Friedrich III. aus der Dynastie der Habsburger.
Auch der französische König Ludwig XI. wollte sich die burgundischen Gebiete sichern. Dazu hatte er sich eine Heirat Marias mit seinem schwächlichen Sohn, dem Dauphin und späteren König Karl VIII., vorgestellt.
Die heiratswilligen Freier brachen nicht ab. Unzählige Kandidaten von höchstem Geblüt sowie Rang und Namen begehrten die junge Herzogin und ihr großes Reich zwischen Nordsee und Alpen und zwischen Frankreich und dem heiligen römischen Reich Deutscher Nation.
Sie bestand jedoch auf die Einhaltung des Heiratsversprechens ihres Vaters. Mit Maximilian hätte sie schließlich einen mächtigen Monarchen zum Schutz ihrer Territorien an ihrer Seite.
Auf der Erfolgsspur in Politik und Familienleben
Maria entpuppte sich als äußerst geschickt auf dem politischen Parkett. Sie entzog sich der französischen Herrschaft und sicherte sich die Unterstützung der burgundischen Gebiete. So gab sie verschiedenen Regionen ihre Rechte zurück, die von ihrem Vater zuvor abgeschafft wurden und stimmte neuen Kriegssteuern zu. Im Austausch verpflichtete sie die Generalstände zur Treue.
Nur wie lange kann sie als Frau in dieser Zeit noch die Geschicke des Landes ohne männlichen Beistand führen?
Endlich! Am 21. April 1477 ist es soweit. Sie kann ihren Maximilian heiraten. Die beiden haben sich noch nie persönlich gesehen. Trotzdem freuten sich beide auf diesen Hochzeit. Hatten sie sich Jahre zuvor gegenseitig ihre Bilder zugespielt und prompt ineinander verliebt. Auch an diesem Tag sehen sie sich nicht persönlich. Die Trauung findet in Brügge aus der Ferne „per procurationem“ statt.
Ihr Märchenprinz muss zunächst auf dem Weg von Wien nach Brügge einige Prüfungen bestehen. Aus dem verarmten Haus Habsburg würde er bei einem sofortigen Einzug in Brügge wie ein Bettelprinz dastehen. Die Vorstellung wäre ein Genuss für den verfeindeten französischen König. So kam es zu einer Planänderung. Er zog mit einem Bettelzug los und kam erst drei Monate später mit einem eindrucksvollen Hochzeitszug in Gent an. Er hat alle Prüfungen bestanden und darf nun seinen Siegespreis in Empfang nehmen. Seine Braut Maria von Burgund. Die Hochzeit fand prunkvoll am 18. August 1477 statt.
Die Ehe verlief äußerst harmonisch. Beide einte neben der Liebe zueinander auch eine Liebe zur Kunst und zu Tieren.
Insbesondere die Falknerei und gemeinsamen Jagdausritte krönten ihre Zweisamkeit. Der ungezwungene Umgang mit dem Volk lag beiden im Blut. Sie wurden vom Volk verehrt.
Obwohl Maximilian häufig in blutige Auseinandersetzungen mit Frankreich auf das Schlachtfeld gezwungen wurde, kam bereits 10 Monate nach der Hochzeit am 22. Juni 1478 ihr erstes Kind zur Welt. Philipp - der spätere Philipp I. von Kastilien, auch bekannt als Philip der Schöne. Maximilian konnte sein Kind erst Wochen später überglücklich in die Arme schließen. Und anders als das vom französischen König Ludwig in die Welt gesetzte Gerücht: Es war kein Mädchen, sondern ein Sohn!
Zwei Jahre später wird ihr zweites Kind, Margarete von Österreich, geboren. Sie wird von 1507 bis zu ihrem Tod 1530 als Statthalterin die Geschicke der Niederlande, Burgunds und Savoyen leiten. Ein weiterer Sohn Franz war zu schwach und überlebte nur wenige Wochen. Ein schwerer Schlag für die Eltern.
Tiefe Trauer um Maria Tod
Am 6. März 1482 sieht man am frühen Morgen beschwingt eine Jagdgesellschaft zum Tor von Sainte-Croix hinausreiten. Unter ihnen Maria mit ihrem Falken. Während sie ihren Falken vom Pferd aus loslässt und ihm nachsieht, stolpert ihr Pferd über einen Baumstumpf und wirft die schwangere Maria im hohen Bogen aus dem Damensattel. Ihren inneren Verletzungen erlag sie Wochen später am 27. März 1482.
Mit ihren 25 Jahren hinterließ Maria nicht nur eine große Lücke im Herzen ihres Gemahls sondern eine tiefe Trauer einte auch das Volk, egal ob Jung oder Alt. Maximilian konnte sich in Brügge nicht halten und verließ es 1489 nach langjährig aufreibenden Erbfolgekriege mit den Franzosen und seinen niederländischen Untertanen. Er verteidigte Habsburg an der ungarischen Front. Dennoch verteidigte er seine Ansprüche der Freigrafschaft Burgund und der Niederlande erfolgreich für das Haus Habsburg.
Maximilian I. starb am 12. Januar 1519 in Oberösterreich als ernannter aber nie gekrönter Kaiser des heiligen römischen Reiches.
Auch dank Marias früherer weitsichtigen politischen Entscheidungen konnte sich das Habsburger Reich bis nach Asien und Amerika ausdehnen. Ihr Enkel Karl V. Wurde 1530 zum Kaiser des heiligen römischen Reiches gekrönt und übernahm die Herrschaft über dieses Weltreich.
So gebührt Maria von Burgund ein Platz in der Geschichte als Ahnfrau eines riesigen Imperiums.