Erneut hatte 1558 eine Frau den englischen Thron bestiegen. Die verstorbene Königin wurde von einer jungen 25-jährigen Frau abgelöst. Der Presbyterianer John Knox ließ seiner Wut im gleichen Jahr freien Lauf.
„Es ist schlimmer denn eine Missgeburt in der Natur, daß ein Weib herrschen solle und solle Gewalt haben über einen Mann! Wenn eine Frau herrsche führt die Blinde Sehende, die Kranke den Gesunden, die Närrische Irre und Wahnsinnige den Vernünftigen und Nüchternen.“
Diese junge Frau - Königin Elisabeth I. - wird ihn und uns eines Besseren belehren.
Sie und weitere Frauen mit Macht und Einfluss bekommen in diesem vierten Teil der „Reihe Geschichte der Renaissance“ ihre Bühne.
Elisabeth I.
Elisabeth I. war die einzige Frau in der Renaissance, die in dieser partriachaischen Welt souveräne Macht ausüben konnte.
Sie bezeichnete sich selbst hoheitsvoll als „Fürst“ mit dem Leib einer Frau und dem Herzen eines Königs. Eine Gleichsetzung mit ihrem Geschlecht mit Wankelmut und Inkompetenz war ihr verpönt.
Nach 45 Jahren an der Regierung, fragte sie kurz vor ihrem Tod 1603 das Parlament: „Soll ich irgendetwas mir selbst und der Schwachheit meines Geschlechts zuschreiben? Dann wäre ich nicht wert zu leben. Mein Geschlecht kann meinen Ruf nicht mindern.“
Mit Klugheit und Durchsetzungsvermögen vereitelte sie über Jahrzehnte heiratspolitische Ambitionen ihrer Berater. Sie bewahrte sich beharrlich ihr Ansehen als jungfräuliche Amazone und somit die königliche Autorität. Sie war mit England verheiratet. Mit einem Ehemann wäre zwar die Erbfolge des Hauses Tudors gesichert gewesen. Allerdings wäre ihre politische Karriere zu Ende gewesen und der Ehemann hätte das Sagen gehabt. Elisabeth wusste das, blieb stur und führte England in eine Blütezeit - ins Elisabethanische Zeitalter.
Als Bastard war sie eigentlich nicht für den Thron vorgesehen. Ihre Mutter Anne Boleyn verlor schon wenige Jahre nach ihrer Heirat mit Elizabeths Vater Heinrich VIII. ihren Kopf. Dieser annullierte nach der Hinrichtung seiner jungen Frau kurzerhand diese Ehe. Elizabeth war plötzlich unehelich. Ein Bastard ohne Erbansprüche. Es gab zwei Thronfolger für Heinrich VIII. Ihre Halbgeschwister aus seiner ersten Ehe. Edward und Maria.
Edward VI. starb bereits nach sechsjähriger Regierungszeit. Seine Schwester Maria I. übernahm 1553 die Krone und versuchte mit aller Härte die Katholische Kirche erneut im protestantischen England zu installieren. Ihrer Brutalität gegen Ketzer verdankt sie ihren Spitznamen. Bloody Mary starb mit 42 Jahren.
Als rechtmäßige Nachfolgerin, die den katholischen Glauben fortführen wollte, sah sich Maria Stuart. Elizabeth bewies ihr geschicktes Händchen und konnte sich mit Hilfe der protestantischen Kirche auf den Thron hieven. Als Dank führte sie die Anglikanische Kirche ein und machte England zur protestantischen Vormacht in Europa.
Maria Stuart war während ihrer 18-jährigen Kerkerhaft für Elizabeth stets eine gefährliche politische Gegnerin. Der letzte Versuch, Elisabeth vom Thron zu stürzen, führte sie direkt auf das Schafott.
Die wenigsten männlichen Regenten zögern davor, in vollem Harnisch in Kriege zu ziehen. Elizabeth zog stets Diplomatie den kriegerischen Auseinandersetzungen vor. Sie zeigte ein untrügliches Gespür für erfolgreiche Schachzüge zum Wohle Englands.
Ihre Kreativität kannte dabei kaum Grenzen. So stieg auch ein kleiner Pirat zum Sir auf. Ihre Bewunderung galt dem Seefahrer Francis Drake, der in der Karibik und Spanien gegen die spanische Armada kämpfte, die Kriegsflotte des katholischen Feindes in die Knie zwang und auch der Staatskasse sehr dienlich war.
Wie kann man als Monarch einen loyalen Bürger für seine Verdienste ehren und gleichzeitig eine mögliche Beteiligung an diesem Unternehmen ausschließen? Sie bat den französischen Gesandten: „Ich bin überzeugt, dass Monsieur den Ritterschlag mit Freuden für mich ausführen wird.“
Ihrem eigenen Volk gegenüber zeigte die Monarchin Toleranz. So lange man die politische Stabilität nicht gefährdete, konnte man seinen Glauben im privaten Bereich praktizieren.
Das ging dem Ex-Inquisitor Papst Pius V. ganz gewaltig gegen den Strich. Er unterstützte den Widerstand der katholischen Iren gegen die englische Herrschaft und gewann katholische Aristokraten aus dem Norden Englands für eine Ermordung Elisabeth.
Unter der Herrschaft Elizabeths gab es keine Folter im englischen Gerichtswesen. Um so härter waren jedoch die Strafen für Hochverräter oder Katholiken, die unter Verdacht des Hochverrates standen. Eine Ermordung der Monarchin gelang nicht.
Elizabeth schloss am 24.03.1603 ihre Augen. Und mit ihr starb auch die Tudor-Dynastie.
Die Tudors führten die Geschicke Englands nur 118 Jahre lang.
Der zweite Tudor-König Heinrich VIII. Wollte die Dynastie um jeden Preis fortführen. Die vornehmste Bestimmung einer Fürstin war, dem Land einen Thronerben zu gebären.
Von seinen sechs Ehefrauen, von denen er zwei hinrichten ließ, gebar ihm nur eine Frau einen Sohn, der überlebte und als Edward VI. für eine kurze Zeit den Thron Englands inne hatte.
Jane Seymour
Die Mutter Edward VI war Jane Seymour, eine Hofdame seiner Noch-Gemahlin Anne Boleyn. Sie hatte ein eher unscheinbar und tugendsames Wesen. Mit ihrer großen Nase war sie nicht gerade der Inbegriff einer Schönheit. Jedoch war sie 18 Jahre jünger als Heinrich und entstammte einer alten angesehenen Familie - Edward III. Eine gute Wahl, die Mutter des zukünftigen Thronfolgers zu werden. Das Blut auf dem Schafott von ihrer Vorgängerin war noch nicht trocken, als sie seine 3. Ehefrau wurde.
Der einstmals attraktive König war bereits 45 Jahre alt, mittlerweile fett und kahl. Jane erfüllte ihre Rolle als neue Königin perfekt. Ihr sanftmütiges Wesen wurde sie nicht nur von Heinrich, sondern auch von seinen beiden Töchtern Maria und Elisabeth und vom Volk geliebt.
Der Königshof konnte sein Glück nicht fassen, als Jane am 12.10.1537 den lang ersehnten Thronfolger Edward zur Welt brachte. Die stundenlange Geburt war für sie jedoch so qualvoll, dass sie 12 Tage später im Kindbett starb. Ein schwerer Schlag für Heinrich, der in eine tiefe Trauer verfiel und nicht wieder heiraten wollte. Nur, bei der hohen Kindersterblichkeit benötigt er mehr als einen Sohn als möglichen Thronfolger. So musste er erneut heiraten. 10 Jahre später waren beide wieder vereint. Heinrich VIII wurde neben seiner Jane Seymour bestattet, die nur 28 Jahre alt geworden war.
Katharina von Medici
In Frankreich stieg eine „Florentiner Krämerin“ zur Königin und spätere Königinmutter von Frankreich auf. Caterina de’ Medici wurde von ihrer Schwiegertochter Maria Stuart so genannt, da kein adliges Blut durch ihre Adern rann.
Katharina wurde bereits im Jahr ihrer Geburt 1519 eine Vollwaise. Ihr Vater entstammte der berühmten Kaufmannsfamilie Medici, die es in den Adelsstand geschafft haben. Ihre Mutter war eine Verwandte des König Franz I. aus Frankreich.
Eine glückliche Kindheit hatte sie nicht. Mit acht Jahren wurde sie sich bewusst, dass sie als politischer Spielball um ihr Leben bangen muss.
Ihr Vormund, Papst Klemens VII. ging mit dem französischen König Franz I. Ein Bündnis ein. Ausgerechnet mit dem grössten Feind des spanischen Königs Karl V.
Daraufhin schickte Karl V. seine Söldner nach Norditalien. Das lief mächtig aus dem Ruder. Viele der Soldaten waren bekennende Protestanten und erschlugen um die 45.000 italienische Katholiken ohne Rücksicht auf Stand oder Geschlecht.
Kurz vor der Ankunft in Rom angekommen, flüchtete der zu den Medici gehörende Papst. Er liess seine Stadt feige im Stich. Das förderte nicht gerade die Sympathie für den Medici-Clan.
Zu spüren bekam das die einzig noch übrig gebliebene Medici: Katharina. Sie wurde in einem Kloster von den Rebellen gefangen gesetzt.
In den folgenden Jahren rangen beide Parteien um eine für sie günstige Verheiratung des Mädchens. Ein Bündnis mit Frankreich musste von den Rebellen verhindert werden. Diese überlegten ernsthaft, Katharina entweder in ein Bordell zu stecken oder sie den Söldnern zum Vergnügen zu überlassen. Das wäre das Aus für eine standesgemäße Hochzeit gewesen.
In einer für die Medici günstigen Zeit wurde Katharina aus dem Kloster befreit und in die florentinische Obhut gebracht. Vom Regen in die Traufe. Denn die Florentiner ließen sie ihre Verachtung zu den Medici spüren.
Nun hieß es, Katharina so schnell wie möglich politisch günstig zu verheiraten. Unzähligen Kandidaten unterschiedlicher Stände wurden in Betracht gezogen und wieder verworfen. Sie wurde nicht mit einbezogen.
Katharina liebte zärtlich ihren 10 Jahre älteren Vetter Ippolito. Sie hatte jedoch aus den Lektionen ihres Lebens gelernt. Sie war fügsam, gehorsam, charmant und dankbar für die Privilegien. Sie war sich ihrer Macht bewusst. Schon da zeigte sich ihre staatsmännische Eigenschaft.
Schließlich wurde sie mit 14 Jahren mit dem zweiten Sohn des französischen Königs Franz I. verheiratet. Der gleichaltrige Dauphin hatte bereits eine 19 Jahre ältere verwitwete Maitresse. Diane de Poitiers. Es sollte eine Ehe zu Dritt werden.
In den ersten 10 Ehejahren wollte sich keine Schwangerschaft bei Katharina einstellen. Unglücklicherweise schenkten drei weitere Geliebte ihres Mannes diesem mehrere Kinder. Ihrer Klugheit und Weitsicht verdankte sie es, dass ihr Schwiegervater ihr wohl gesonnen blieb. Sie wurde nicht durch eine andere Frau ersetzt. Das Ehepaar bekam dann doch noch in den insgesamt 26 Ehejahren 10 Kinder. 6 überlebten. Davon wurden drei Könige und zwei Königinnen.
Vielleicht hat ihr Gatte Henri II. doch noch ihre Vorzüge zu schätzen gewusst. Er selbst wurde von seinen Zeitgenossen als groß, gut gebaut (fast ein Muskelpaket), schwermütig, ungesellig, langsam, ungeduldig, schweigsam, mürrisch, schwerfällig, unnachgiebig und zurückhaltend beschrieben.
Ein weiterer Zeitgenosse Brantôme beschrieb Katharina so:
"Sie war von sehr schönem und üppigem Wuchs, eine königliche Erscheinung und trotzdem sehr sanftmütig – wenn es erforderlich war –, von reizvollem Äußeren, gefälligen Manieren, mit schönen angenehmen Zügen und einem schönen schneeigen und vollen Busen. Ich hörte einige ihrer Damen sagen, daß ihre feste und stattliche Körperfülle von einer sehr weißen und reinen Haut überzogen war und daß sie sehr schöne Beine und Füße besitze, so daß besagte Damen große Freude daran fanden, sie gut zu beschuhen und den Schuh straff sitzen zu sehen. Auch nannte sie die schönsten Hände, die ich wohl jemals gesehen habe, ihr eigen. Die Dichter haben früher Aurora wegen ihrer schönen Hände und schönen Finger gelobt. Ich glaube aber, daß die Königin sie darin in den Schatten gestellt hätte; auch hat sie sie bis zu ihrem Tode unverändert behalten. Ihr Sohn, Heinrich III., hat diese schönen Hände geerbt."
Ihr Mann Henri II und sie saßen seit 12 Jahren auf dem Thron. Der 21.6.1559 sollte eigentlich ein glücklicher Tag werden. Ihre Lieblingstochter Elisabeth wurde mit dem spanischen König Philipp II vermählt. Zu Ehren wurde ein Tournier veranstaltet. Der König wurde dabei so schwer verletzt, dass er wenige Tage später starb.
Der zweite Schicksalsschlag ergab sich schon ein Jahr später. Ihr Sohn, König Franz II., starb schon ein Jahr nach seiner Thronbesteigung. Seine Frau Maria Stuart wurde nach nur zweijähriger Ehe Witwe und ging nach 13-jähriger Abwesenheit nach Schottland zurück. Sein minderjähriger 10-jähriger Bruder Karl IX wurde neuer König und Katharina übernahm die Regentschaft für ihn.
Sie bemühte sich, die in Frankreich Frieden zwischen den verhärteten Fronten der beiden Konfessionen. Trotzdem konnte sie die Tragödie der Bartholomäusnacht, nicht verhindern. Ihre Tochter Margarete de Valois heirate den Protestanten Heinrich von Navarra. In dieser Nach ging die wohl berühmteste Hochzeit - auch Bluthochzeit - genannt, in die Geschichte ein.
Mit der Ermordung zweier Hugenottenführer begann in Frankreich eine Welle der Gewalt, in der ca. 30.000 Protestanten von fanatischen Katholiken getötet wurden.
Man schrieb Katharina eine Mitschuld an diesem brutalen Gemetzel zu. Traumatisiert von den Grausamkeiten in ihrer Kindheit wollte sie Kriege um jeden Preis verhindern. Eher sollten die Kriegstreiber beseitigt werden. In diesem Fall der Hugenottenführer Admiral de Coligny, der Frankreich in einen Krieg mit Spanien verwickeln wollte. Dieser überlebte und die Tragödie nahm ihren Lauf.
Dieses Desaster, ihre geringe Herkunft sowie ihre Medikamenten-sammlung für jedes Wehwehchen förderten nicht gerade die ohnehin geringe Beliebtheit bei ihrem Volk.
Ihr Schwiegersohn Heinrich von Navarra nahm sie in Schutz.
Als Katharina von Medici am 5.1.1589 mit 69 Jahren starb und er ihr Nachfolger als Heinrich IV. Wurde, hatte er wertschätzende Worte für seine Schwiegermutter:
Was hätte eine Frau tun können, verlassen nach dem Tod ihres Mannes mit fünf kleinen Kindern und zwei Familien, die nach der Krone griffen? War sie nicht gezwungen, seltsame Rollen zu spielen, auch um ihre Söhne zu schützen, die unter der weisen Führung dieser scharfsinnigen Frau regiert haben? Ich bin überrascht, dass sie keine größeren Fehler gemacht hat.“
Isabella von Portugal
Wie könnte Kaiser Karl V. sein riesiges Reich regieren ohne eine kluge und gebildete Frau an seiner Seite. War ihr Ehemann unterwegs, führte sie die Staatsgeschäfte. Ein Zeichen großen Vertrauens und ein Beweis, dass sie befähigt war, Entscheidungen eigenständig zu treffen.
Die Ehe mit Isabella von Portugal wurde wie üblich aus rein politischen Motiven arrangiert. Dabei störte es nicht, dass die Mütter der Brautleute Schwestern waren. Vier Generationen lang floss kein Tropfen fremdes Blut in das spanische Haus der Habsburger.
Die 13-jährige aristokratische Verbindung soll harmonisch verlaufen sein. Drei Kinder überlebten. Das vierte und letzte Kind, Johannes, starb unmittelbar nach seiner Geburt. Zwei Wochen später starb Isabella geschwächt von den Strapazen der Geburt mit 36 Jahren im Jahr 1539.
Ihr Mann hatte nie wieder geheiratet. In Erinnerung an seine geliebte Isabella, ließ Karl Jahre später von Titian ein Porträt zeichnen. Nach seiner Abdankung zierte es seine letzte Wohnstätte.
Maria von Burgund - unvergessen
Auch Maria von Burgund gebührt ein Platz in der Geschichte als Ahnfrau eines riesigen Imperiums.
Dank ihrer weitsichtigen politischen Entscheidungen konnte sich das Habsburger Reich bis nach Asien und Amerika ausdehnen. Ihr Enkel Karl V. Wurde 1530 zum Kaiser des heiligen römischen Reiches gekrönt und übernahm die Herrschaft über dieses Weltreich. Dieser ist uns häufiger in meinen Beiträgen begegnet.
Die glückliche und kluge Frau wurde nur 25 Jahre alt.
Ihre komplette Biographie auf Youtube habe ich dir am Ende des Beitrages verlinkt.
Fazit
So unterschiedlich diese klugen, mutigen, starken und auch nicht immer glücklichen Frauen waren. Eines haben sie gemeinsam:
Sie regierten große Reiche mit Geschick und Weitblick.