Im gleichen Jahr (1492) als Christopher Columbus den neuen Kontinent Amerika entdeckte, erblickte im oberfränkischen Staffelstein ein kleiner Bursche - namens Adam Ries - das Licht der Erde.
Auf den Märkten in der Renaissance herrschte ein Wirrwarr verschiedener Währungen, Münzen und Gewichte. Wer nicht rechnen konnte - und das konnten die wenigsten einfachen Händler- wurde oftmals gnadenlos übers Ohr gehauen.
Das sollte sich aber ändern. Schauen wir uns in diesem Beitrag an, wie Adam Ries dem kleinen Manne das Rechnen beibrachte.
Auf Wanderschaft
Der kleine Adam wurde in eine wohlhabende Familie reingeboren. Sie besaßen eine Mühle, einen Weinberg und mehrere Grundstücke. Als der Vater 1506 starb, ging er auf Wanderschaft. Der Weg führte ihn zunächst über Zwickau in die damals wichtige Handelsstadt Erfurt. Dort wohnte er von 1518 bis 1522 in der Drachengasse ganz in der Nähe der Universität und lernte den bekannten Humanisten, Arzt und Universitätsgelehrten Georg Sturtz kennen.
So erhielt er Zugang zur gut bestückten Bibliothek und entdeckte ein „altes verworfenes Buch“ mit vielen arithmetischen und algebraischen Aufgaben und Texten verschiedener Autoren von 1480.
Ein Problem und die Lösung
Der damals übliche Gebrauch von Rechenbrettern, auch Abakus genannt, linierten Tafeln sowie der Gebrauch von römischen Zahlen war nur einer gebildeten Schicht vorbehalten. Erklärende Bücher waren stets in lateinischer Sprache verfasst und für den ungebildeten Normalbürger somit unverständlich.
Dass unehrlichen Zeitgenossen dies zu ihren Gunsten ausnutzten, inspirierte Adam Ries u.a. zu seiner ersten, 1518 in deutscher Sprache erschienen Schrift „Rechnen auf der Linihen“. Darin führt er das schriftliche Rechnen ein und erklärte geeignete Verfahren. So ermöglichte er dem einfachen Mann im Selbststudium den Zugang zu den vier Grundrechenarten: Addition, Subtraktion, Multiplikation sowie Division.
In seinem zweiten Buch ersetzte er die umständlichen römischen Zahlen, ein Buchstabensalat aus MXL und V’s, durch die indisch-arabischen Zahlen. So wurde der Grundstein für unsere heutige Zahlschrift gelegt.
Er legte auch in seinen weiteren Büchern stets Wert drauf, den armen Manne nicht zu überfordern oder zu täuschen.
Seine didaktischen Fähigkeiten machten ihn nicht zur zu einem begehrten Autor sondern er eröffnete auch eine Rechenschule, in der jungen Menschen eine mathematische Bildung erhielten.
Leben in Annaberg
1523 siedelte er ins Erzgebirge nach Annaberg, wo er 1525 Anna Leuber, die Tochter eines Schlossermeisters heiratete. Die Bergbaustadt brauchte Leute mit mathematischen Kenntnissen. So arbeitete Ries in verschiedenen mathematischen Berufen u.a. als Buchhalter im Bergbauamt, als Rechnungsprüfer für die Gemeinde, in der Vermessung und stellte Brottabellen für die Bäcker auf. Diesen konnten sie entnehmen, wie hoch der Preis für ihre Waren in Abhängigkeit von Gewicht und dem aktuellen Getreidepreis sein sollte.
Seine Tüchtigkeit, Gewissenhaftigkeit machten ihn über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Stadt Annaberg ernannte ihren berühmten Bürger 1539 zum „Kurfürstlich sächsischen Hofarithmeticus“.
Er wurde sehr wohlhabend und konnte seiner Frau und den acht Kindern ein angenehmes Leben ermöglichen.
Adam Ries starb hoch geachtet am 30.03.1559 in Annaberg.
Unsterblich ist der Adam Ries allemal in einer über 500 Jahre alten Redewendung.
"Zwei mal Zwei macht nach Adam Riese..." Na? Das lernt doch jedes Kind in der Schule.
Wie aus dem Namen Ries ein Riese wurde, lässt sich so ableiten: In der Renaissance wurden auch Eigennamen dekliniert. Im Dativ heisst das demnach: Das macht nach dem Adam Riese…..