Sie wurde nie gefragt. Ihr Vater war mächtig und ihre Geburt ein Skandal. Margarete von Parma – unehelich geboren, politisch instrumentalisiert, früh verheiratet, früh verwitwet. Ihr Leben war kein eigener Weg, sondern ein strategischer Zug auf dem Schachbrett europäischer Macht.
Ein Spielball der Macht
Schloss Oudenaarde 1522. Am Hofe der Baronin von Motigny bringt die einfache Zofe Johanna van der Gheynst ein uneheliches Kind zur Welt. Die kleine Margarete. Sie hatte Glück. Der mächtigste Mann Europas - Kaiser Karl V. - verleugnete nicht ihre Existenz. Er ließ seiner kleinen Tochter in einer Adelsfamilie liebevoll erziehen und hervorragend ausbilden. Schon früh wurde sie in dynastische Pläne des Hauses Habsburg einbezogen.
Kaum vier Jahre alt, wurde sie Ercole de Ferrara zur Frau versprochen. 1529 erkannte Karl V. Sie offiziell als seine Tochter an. Im Alter von 11 Jahren wurde sie mit einem Hofstaat nach Florenz geschickt - ihre Kindheit war beendet. Sie soll heiraten. Alessandro de Medici, Herzog von Florenz. Nicht aus Liebe sondern aus politischem Kalkül. Die Vermählung fand erst 1536 in Neapel statt und dauerte nur ein Jahr. Dann wurde ihr 27-jähriger Ehemann ermordet. Und Margarete? Allein in einem fremden Land - doch strategisch noch zu bedeutend, um fallen gelassen zu werden.
Erneut wurde sie verheiratet: 1538 mit Ottavio Farnese. Gefragt wurde sie nicht. Sie musste dem kaiserlichen Befehl folgen, obwohl sie den kaum 14-jährigen Enkel von Papst Paul III. verachtete. Ihrem Ehemann gegenüber blieb sie nicht nur im Herzen distanziert. Ihre Verbindung fand meistens unpersönlich über einen Briefwechsel statt. Ottavio lebte in Parma, Margarete residierte in Piacenza bis 1559.
Statthalterin im Konflikt
Ihr Halbbruder Philipp II. - nun der spanische Machthaber - berief sie zur Statthalterin der habsburgerischen Niederlande in ein Pulverfass. Adel und Volk waren unzufrieden, die religiösen Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten spitzten sich zunehmend zu.
Sie wollte zwischen den Parteien vermitteln und beruhigen. Nur ließ ihr Spanien kaum Spielraum und setzte ihr den machtgierigen Kardinal Granvelle zur Seite. Sie setzte zwar seine Entlassung durch. Doch es war zu spät. Der Konflikt entlud sich im Bildersturm 1566. Klöster wurden geplündert, Kirchen geschändet. Margarete wollte Ruhe durch Verständnis erreichen. Madrid hatte eine andere Vorstellung. Die Verantwortlichen sollten mit aller Härte bestraft werden. Durchsetzen sollte das der Herzog von Alba mit seinem Heer von 15.000 Soldaten. Als er in den Niederlanden eintraf kapitulierte Margarete und trat zurück.
Ihren Ruhestand konnte sie nicht lange genießen. Erneut ernannte Philipp II. Margarete zur Statthalterin der Niederlande mit ihrem Sohn Alessandro Farnese an ihrer Seite. Doch was als Zusammenarbeit gedacht war, wurde zum Machtkampf zwischen Mutter und Sohn, einem erfolgreiche Heerführer in spanischen Diensten. Margarete bat Philipp II. Erneut um ihre Entlassung.
Erst 1583 konnte sie sich endgültig nach Italien zurückziehen. Fern von politischen Intrigen aber auch von Anerkennung starb sie einsam am 18. Januar 1586 in Ortona.
Die Tragik der Margarete
Margarete von Parma war vieles: Bastard, Braut, Mutter und Mittlerin - aber sie war nie wirklich frei. Ihre Geschichte ist eine Chronik im Dienste fremder Interessen. Mutig verweigerte sie sich der Rolle als „Puppe“. In den Niederlanden ist sie weder Heldin noch Feindbild. Als Habsburgerin blieb sie eine Marionette – ihre diplomatischen Versuche wurden vergessen, bevor sie Wirkung entfalten konnten.“
Wußtest Du, dass Margarete ein junges Mädchen zur Hofdame erzog, die später als Königin auf dem Schafott landete?
Es war Anne Boleyn.