Augsburg am 6. März 1459. Im reichsten Haushalt der schwäbischen Stadt ging es lebhaft zu. Neun Kinder lachten, spielten, sangen und das 10. Kind wurde soeben geboren. Der kleine Jakob Fugger fuchtelte lächelnd mit den noch kleinen geschickten Händchen in seiner Wiege. Schauen wir uns an, welches Talent ihm in diese gelegt wurde, mit dem er aus dem bereits sehr wohlhabenden Elternhaus das vermögendste Imperium der Welt schaffen konnte.
Grundstein eines Imperiums
Er hatte allen Grund zum lächeln, denn sein Großvater Hans Fugger hatte bereits durch den Handel mit Baumwolle in Italien ein beträchtliches Familienvermögen hinterlassen und machte seinen Sohn Jakob den Älteren somit zum reichsten Bürger Augsburgs.
Zwei seiner Söhne Ulrich und Georg gründeten ca. 1470 in Nürnberg und in Venedig, im „Fondaco dei Tedeschi“ dem Haus der deutschen Kaufleute ihr Handelszentrum. In dieser Drehscheibe für den Mittelmeerraum erhielt auch Jakob im Alter von 14 Jahren seine umfassende Ausbildung im Bankwesen und Metallgeschäft. Er übernahm zunächst die Fugger’schen Geschäfte in Augsburg, Tirol, Venedig und Rom.
Dazu gehörten Kreditvergaben an Fürsten u.a. an den Habsburger Kaiser Friedrich III., der daraufhin diesem Zweig der Fugger das Lilienwappen verlieh. Das Kreditwesen wurde bis ins Haus Habsburg weiter ausgebaut. Vom reichen und verschwenderischen Tiroler Landesherrn Erzherzog Sigmund bis zu römisch-deutschen König Maximilian I., der die säumigen Kredite des Sigismund mit neuen Krediten der Fugger zurückzahlte.
Die engen geschäftlichen Beziehungen zum König erwiesen sich als äußerst lukrativ. Ab 1507 verkaufte Maximilian I. etliche Grafschaften an die Fugger, erhob Jakob Fugger 1511 in den Adelsstand und ernannte ihn 1514 zum Reichsgrafen. Ein normaler Bürger hätte mit der Herrschaft über die Gebiete Widerstand beim Adelsstand hervorgerufen.
Der mittlerweile selbst ernannte Kaiser Maximilian I. war im Laufe der Zeit dermaßen verschuldet bei den Fuggern, dass ein Kreditausfall das gesamte Imperium hätte zusammenbrechen lassen können.
Der gekaufte Kaiser
Nach dem Tod Maximilians sicherte sich Jakob seine Forderungen an das Haus Habsburg. Er unterstützte dessen 19-jährigen Enkel bei seiner Wahl zum römisch-deutschen König und konnte so eine englische oder französische Herrschaft verhindern. Der Franzose Franz I. sicherte sich bereits mit einem Angebot in Höhe von 300.000 Gulden die Stimmen des Erzbischofs von Trier sowie des Kurfürsten von der Pfalz.
Dank einer immensen Summe von über 850.000 Gulden, 1/3 aus dem Fugger-Kapital und der Rest von den Welsern, sowie drei italienischen Bankiers an sieben Kurfürsten kam als Karl V. auf den Thron. Erst 1530 wurde er zum Kaiser gekrönt.
Die hohen Schulden wurden aus dem Abbau von Tiroler Silber und Kupfer getilgt. Einen weiteren Vorteil nutzte findige Kaufmann im Jahr 1523. Die Reichsstände wollten auf dem Reichstag in Nürnberg eine Begrenzung des Handelskapitals und die Zahl der Niederlassungen der Firmen in Erwägung ziehen. Daraufhin sagte Jakob zum Kaiser: „Es ist auch wissentlich und liegt am Tage, dass Eure Kaiserliche Majestät die römische Krone ohne mein Zutun nicht hätte erlangen können….“ Und erhob gleichzeitig die sofortige Begleichung aller Verbindlichkeiten. Die Monopolbeschränkung war somit vom Tisch.
Zwei Jahre später sicherte sich Jakob Fugger zusätzlich eine Pacht über 3 Jahre der Quecksilber- und Zinnoberminen in Almadén - im spanischen Kastilien.
Zerschlagung der Bauernaufstände
Die Bauernaufstände in den Jahren 1524/1525 waren Jakob Fugger ein Dorn im Auge. Er unterstützte den schwäbischen Bund, der ein Heer unter Führung des Georg Truchseß von Waldburg-Zeil (Bauernjörg) zusammenstellte.
Der Bankier sah in den aufständischen Bauern ein „faules Gesindel, das ohne Anstrengung reich sein möchte.“
Der Aufstand wurde in Süddeutschland zerschlagen und die Anführer grausam hingerichtet. Die Handelswege waren wieder zugänglich und der Reichtum konnte sich vermehren……
…..um auch etwas abzugeben, wie das Zitat Jakob Fuggers zeigt:
“Niemand ist so arm, dass er nicht etwas abgeben könnte. Und niemand ist so reich, dass er noch ein bisschen mehr Geld gebrauchen könnte”.
Die Fuggerei in Augsburg
Es entstand die noch heute existierende Fuggerei in Augsburg. In die älteste Sozialsiedlung durften nur „würdige Arme“ einziehen. Ein Zufluchtsort für Augsburger Bürger, die ohne eigenes Verschulden verarmt waren und aus eigener Kraft nicht imstande waren, ihren Haushalt zu führen. Die Jahresmiete betrug nur einen rheinischen Gulden (der Wochenlohn eines Handwerkers).
Das riesige Erbe der Fugger
Jakob Fugger der Reiche schloss seine Augen für immer am 30. Dezember 1525 in Augsburg. Er hinterließ eine sehr junge Frau - Sybilla Arzt - und blieb ohne Nachfolger. Das Vermögen erbten seine Neffen Raymund und Anton Fugger.
Ein Vermögen, dass sich laut fugger.de wie folgt zusammensetzt:
“Jakob Fugger, der Reiche, gilt als einer der wohlhabensten Menschen der Geschichte. Inflationsbereinigt würde sein damaliges Vermögen heute in etwa 400 Milliarden USD betragen - und ihn damit auf Platz 11 der reichsten Menschen aller Zeiten katapultieren.“
Seine Witwe war nicht erbberechtigt. Selbst Juwelen aus dem Burgunderschatz, einer Beute aus der Schlacht der Schweizer Eidgenossen gegen Karl den Kühnen von Burgund, durfte sie nicht behalten.
Ein Geschenk ihres Manne - als Ausgleich für seine ständige Abwesenheit?
Wenn ja, blieb ihr am Ende nicht einmal das.
Möchtest Du mehr über das Leben an der Seite des Jakob Fugger erfahren? Dann schaue Dir den verlinkten Beitrag über Sybilla Fugger an.