Den Grundstein für die Herrschaft der Tudor-Dynastie legte Heinrich VII. durch seine eigene Eheschließung. Zur weiteren Festigung der Macht verheiratete er seinen Erben, Arthur Prince of Wales mit der spanischen Katharina von Aragon.
Die 16-jährige Braut wurde mit großem Pomp in London begrüßt, begleitet von jubelnden Bürgern und prächtigen Festlichkeiten. Ihre Hochzeit im November 1501 in der alten St. Pauls Cathedral war ein herausragendes Ereignis. Eine speziell errichtete Plattform ermöglichte es allen Gästen, die Zeremonie zu verfolgen.
Erst Prunk dann Schicksal
Der 10-jährige Bruder des Bräutigams, Heinrich, führte Katharina zum Altar.
Katharina und Arthur trugen weiße Satinroben. Ihr Kleid setzte einen neuen Modetrend am Hof: Den Farthingale Reifrock.
Ihr langes, kastanienbraunes war von einem juwelenbesetzten, mit Gold eingefassten weißen Satinschleier bedeckt.
Die Feierlichkeiten dauerten mehrere Tage, gefüllt mit Banketten und Tänzen. Katharina brachte spanische Tänze nach England, die sie und ihre Damen vorführten
Auch das Volk feierte auf Londons Strassen. Ein Beobachter meinte zu den Menschenmassen: „Es gab für das Auge nichts als Gesichter und Visagen, ohne den Anschein von Körpern.“
Nach der Hochzeit zog das Paar nach Ludlow Castle, wo Arthur den Rat von Wales leitete.
Doch das Schicksal schlug zu. Arthur starb wenige Monate später an der Schwitzkrankheit. Eine ungewisse Zukunft für seine erst 16 jährige Witwe begann.
Katharina gefangen mit ungewisser Zukunft
Heinrich VII. wollte die spanische Mitgift und das Bündnis mit Spanien nicht verlieren. Er bot seinen jüngeren Sohn, Heinrich, als neuen Ehemann an. Doch die Verhandlungen mit der Kirche verzögerten die Hochzeit. Katharina lebte von 1502-1509 wie eine Gefangene im Durham House in London.
1509 bestieg der stattliche und gebildete Heinrich VIII. den Thron. Keine zwei Monate später heiratete er Katharina und sagte zu seinem Schwiegervater:
Zitat: Heinrich VIII.
„Selbst wenn wir noch frei wären, ist es sie, die wir vor allen anderen als unsere Gemahlin wählen würden“.
Krönung zur Königin
Die gemeinsame Krönung des Paares war so prunkvoll, dass der Chronist Edward Hall diese überschwänglich beschrieb:
Zitat eines Hochzeitsbeobachters:
„Sollte ich beschreiben, welche Anstrengungen, Arbeit und Gründlichkeit die Schneider, Verzierer und Goldschmiede unternahmen, um die Gewänder für Herren, Damen, Ritter und Junker sowie Putz, Pferdegeschirre und Verzierungen für die Renner, spanischen Pferde und Zelter zu entwerfen und herzustellen, es wäre zu lang, um es vorzutragen, doch mit Sicherheit wurden nie reichere, seltenere oder erstaunlichere Arbeiten gesehen, die für diese Krönung vorbereitet wurden.
Das Schicksal blieb unerbittlich. Mehrere Fehlgeburten ließen die Hoffnung auf einen männlichen Thronfolger schwinden. Der mittlerweile an der Rechtmäßigkeit seiner Ehe zweifelnde Heinrich wandte sich Katharinas jungen Hofdame - Anne Boleyn - zu und heiratete sie 1533 nach dem Bruch mit der Kirche.
Demütigung einer Königin
Er zwang den Papst, die Annullierung der ersten Ehe zuzustimmen und bezog sich auf einen Passus aus der Bibel:
„Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat. Sie sollen ohne Kinder sein, denn er hat damit seinen Bruder geschändet.“
Katharina von Aragon verweigerte jedoch zeitlebens ihre Zustimmung und wurde 1534 vom englischen Hof verbannt.
Die gemeinsame Tochter Maria wurde von der Mutter getrennt und für illegitim erklärt.
Trotz all der Demütigungen schien sie nie die Hoffnung auf eine Versöhnung verloren zu haben. Ihre letzten Worte in einem Brief waren:
«Oculi mei te solum desiderant. Vale.»
„Meine Augen verlangen nur nach dir. Lebwohl.“
– Katharina von Aragón
Als Heinrich von Katharinas Tod 1536 erfuhr, sagte er:
„Gott sei gelobt! Wir sind nun von jeglicher Kriegsangst befreit.“
Trotz ihrer Verbannung blieb Katharina von Aragon beim Volk immer die rechtmäßige und beliebte Königin von England.